Archiv für den Monat: Mai 2013

Fahrradstadt Wuppertal

Na, der Bericht ist draußen.

modal_split_wuppertal_vs_bochum
Quelle: Wuppertal Institut Projektbericht Fahrradstadt Wuppertal Seite 20

 

Meine Deutung dieser Grafik:

Es gibt einen Sockel von knapp über 50% Autonutzung (MIV ::= Motorisierter Indivdual-Verkehr) – die anderen haben kein Auto, müssen als Bus (ÖV ::= Öffentlicher Verkehr) oder Fahrrad (Rad) fahren. Zu Fuß zu gehen ist wieder ein Sockel – egal wo, manche Wege sind einfach fußläufig.

Der ÖPNV oder ÖV ist einfach gut ausgebaut in Wuppertal! Studierende zum Beispiel nutzen ihn für lau! Warum sollte ein Mensch sich ein Fahrrad anschaffen, wenn der Bus kostenfrei* für ihn zu nutzen ist? *Studierende bezahlen mit ihrem Semesterbeitrag ein NRW-weit gültiges Ticket für den ÖPNV, für einen Bruchteil des Betrages, der notwendig wäre diesen Umfang an Fahrt-Möglichkeiten regulär zu erwerben. Update…

Die derzeitige Infrastruktur am Hauptbahnhof ließe eine Steigerung von 1,5% auf 10% Fahrradnutzung auch überhaupt nicht zu – um wieder zu den Studierenden zurück zu kommen: der kürzeste Weg vom Hauptbahnhof zur Universität mit dem Fahrrad ist … gut ausgebaut – aber leider nur für Autos und sonst für niemanden, solange es keine Seilbahn gibt.

Es gibt viel zu tun – in dieser Fahrradstadt Wuppertal mit System.

Fahrradwegbenutzung ist keine Pflicht

wieden_radweg_ende
Das bittere Ende

In Wieden – bekannt durch die 2-minütige Rotphase auf dem Schleichweg von Wuppertal nach Düsseldorf – kreuzt die B 224 die B 7. Von Osten kommend, wird versucht den Radverkehr auf den linken Bürgersteig zu leiten.

Super … der Bürgersteig ist jetzt nicht übermäßig breit oder frei von Ein- und Ausfahrten … aber wenn man auf die schöne Schussfahrt, die ich auf der allgemeinen Fahrbahn habe, verzichtet, wird man mit einem sehr blöden Radweg-Ende konfrontiert werden.

Möchte ich also als Radfahrender, der diesen Radweg genutzt hat, den Weg weiter auf der Düsseldorfer Straße Richtung Mettmann/ Düsseldorf fortsetzen, habe ich im Schnitt 3 Minuten verloren, da ich zwei Mal auf Grün warten darf um wieder auf die korrekte Straßenseite zu gelangen.

Die Fahrbahn ist für alle da. Wer es nicht glaubt, liest hier die Wuppertaler Version nach.

Kampfradler

„Da haste Dir aber ein Betätigungsfeld ausgesucht, Radfahrn in Wuppertal.

Das ist wie Skifahren in der Sahara.

Aber Du bist noch nicht zum Wut- oder Kampfradler, oder?“

nlz

Nein. Definitiv nicht. Da gibt es andere.

Klar, man kann sich immer rechts an den Autos vorbeimogeln.

Man braucht nicht nur bei Grün über eine Ampel fahren.

Zeitlich bringt das doch nichts. Und den Stress kann man haben, ich brauch ihn nicht.

Sich gegenüber anderen Vorteile zu verschaffen, indem man absichtlich Regeln bricht – ist das jetzt ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, oder das diffuse Gefühl unterlegen zu sein und nur so zu seinem Recht zu kommen?

Vielleicht kenne ich die Strecken inzwischen zu gut, so dass ich

weiß, wie schnell ich wann sein muss um welche Ampelschaltung

zu erwischen. Und ich fahre, wenn es sein muss, in der Mitte der Fahrspur. Das nur zu meiner eigenen Sicherheit, damit ich a) gesehen werde, b) nicht abgedrängt werde.

Aber Fußgänger beschimpfen, die dröselig auf die Straße laufen …

einmal in der Position des vermeidlich Stärkeren zu sein und dann genau so zu agieren, wie mit einem selbst umgegangen wird – Teufelskreise werden anders durchbrochen …

Ne … Selbstbewusstsein, vorausschauendes Fahren – Empathie mit den Verkehrswegmitnutzern … vielleicht werd‘ ich doch langsam alt.

Und inzwischen von Fußgängern beschimpft, dass ich den Autofahrenden doch Platz machen sollte. Wie war das mit dem veralteten Denken?